Google-Ads-Analyse: Kampagnenerfolg richtig messen
„Die Kampagne läuft gut“ ist keine Aussage, sondern ein Gefühl. Ob sich Google Ads rechnet, entscheidet sich an Zahlen – und daran, ob die richtigen erhoben werden. Viele Konten liefern beeindruckende Klickzahlen und trotzdem keine Antwort auf die einzige Frage, die zählt: Kommt am Ende mehr heraus, als hineingeht?
Eine belastbare Google-Ads-Analyse braucht deshalb drei Dinge: ein funktionierendes Conversion Tracking, ein Verständnis dafür, was die einzelnen Kennzahlen tatsächlich aussagen, und die Disziplin, sie im Zusammenhang zu lesen statt einzeln. Dieser Beitrag geht diese drei Punkte der Reihe nach durch.
Ohne Conversion Tracking ist jede Auswertung Raten
Alles, was danach kommt, hängt an diesem Punkt. Solange nicht erfasst wird, welche Klicks zu einer Anfrage, einem Anruf oder einem Kauf geführt haben, lässt sich nur über Sichtbarkeit sprechen – nicht über Erfolg. Ein Konto ohne Conversion Tracking optimiert im besten Fall auf günstige Klicks, und günstige Klicks sind selten die wertvollen.
Vor der ersten Auswertung lohnen deshalb drei Kontrollfragen:
- Wird jede relevante Aktion erfasst – Formular, Telefonanruf, Terminbuchung, Download?
- Sind Doppelzählungen ausgeschlossen, etwa wenn ein Dankeschön-Seitenaufruf mehrfach auslöst?
- Passen die gezählten Conversions zu dem, was im Postfach oder im CRM tatsächlich ankommt?
Gerade die dritte Frage wird selten gestellt und deckt die meisten Fehler auf. Weicht die Zahl im Konto deutlich von der Zahl der echten Anfragen ab, stimmt die Messung nicht – und jede Optimierung darauf verstärkt den Fehler nur.
Hinzu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: Ein Teil der Conversions wird gar nicht mehr direkt gemessen, weil Besucher*innen der Datenverarbeitung nicht zustimmen. Google gleicht diese Lücke modelliert aus, die Zahlen im Konto sind also teilweise geschätzt. Das ist kein Mangel, sondern der heutige Normalzustand – man sollte es nur wissen, bevor man Kontozahlen und CRM-Zahlen nebeneinanderlegt und sich über die Differenz wundert.
Die fünf Kennzahlen, mit denen jede Auswertung beginnt
Google Ads bietet dutzende Spalten an. Für den Einstieg genügen fünf, und zwar in dieser Reihenfolge gelesen – von der Reichweite bis zur Wirtschaftlichkeit:
CTR und CPC sagen etwas über Passung und Preis
Die Klickrate setzt Klicks ins Verhältnis zu Impressionen und ist damit vor allem ein Relevanzsignal: Sie zeigt, ob die Anzeige zur Suchanfrage passt. Eine niedrige Klickrate weist meist auf unpassende Keywords oder schwache Anzeigentexte hin. Pauschale Zielwerte helfen dabei wenig – was üblich ist, unterscheidet sich stark zwischen Branchen, Markensuchen und generischen Begriffen. Aussagekräftiger als ein Benchmark ist der Vergleich mit dem eigenen Vormonat.
Der Klickpreis zeigt die Kostenseite derselben Interaktion. Wichtig ist, ihn nicht isoliert zu bewerten: Ein hoher CPC ist unproblematisch, wenn die Klicks häufig zu Anfragen führen. Ein niedriger CPC ist wertlos, wenn sie es nicht tun.
Ein häufiger Trugschluss betrifft die Impressionen. Sie zeigen Reichweite, nicht Wirkung – und lassen sich fast beliebig steigern, indem der Suchbegriff weiter gefasst wird. Eine steigende Impressionszahl bei gleichbleibenden Conversions ist deshalb kein Erfolg, sondern meist ein Hinweis auf Streuverluste.
CPA und ROAS entscheiden über die Wirtschaftlichkeit
Hier wird es geschäftlich. Die Kosten je Conversion beantworten, was eine Anfrage tatsächlich kostet – und lassen sich direkt gegen den Deckungsbeitrag halten, den ein Auftrag im Schnitt bringt. Der ROAS, der Werbeertrag, setzt den erzielten Umsatz ins Verhältnis zu den Werbekosten: Umsatz geteilt durch Kosten. Ein ROAS von 4 bedeutet also vier Euro Umsatz je eingesetztem Euro.
Für Dienstleister mit langen Entscheidungswegen ist der CPA meist die brauchbarere Größe, weil der Umsatz erst Wochen später und außerhalb des Kontos entsteht. Im E-Commerce, wo der Kauf unmittelbar folgt, ist der ROAS die naheliegendere Kennzahl. Beide sagen nichts über die Marge – wer nur auf Umsatz optimiert, kann damit sehr effizient Verluste skalieren.
Für alle fünf Werte gilt dieselbe Einschränkung: Sie brauchen eine ausreichende Datenmenge. Eine Conversion-Rate aus zwölf Klicks ist keine Kennzahl, sondern Zufall. Als grobe Orientierung sollte ein Zeitraum mindestens einige Dutzend Conversions enthalten, bevor daraus Entscheidungen abgeleitet werden. Bei kleineren Konten heißt das schlicht: längere Zeiträume betrachten und seltener eingreifen.
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Vom Klick zur Anfrage: wo welche Kennzahl greift
Kennzahlen isoliert zu betrachten führt regelmäßig zu falschen Schlüssen. Hilfreicher ist, sie den Stufen zuzuordnen, die zwischen der Ausspielung einer Anzeige und einer Anfrage liegen. Dann wird auch sichtbar, an welcher Stelle es hakt:
Der Nutzen dieser Zuordnung liegt in der Diagnose. Viele Impressionen bei wenigen Klicks ist ein Anzeigenproblem. Viele Klicks bei wenigen Conversions ist fast nie ein Anzeigenproblem, sondern ein Problem der Zielseite. Welche Kennzahlen dort weiterhelfen, haben wir in unserem Beitrag zu den Kennzahlen im Performance Marketing beschrieben.
Diese Trennung erspart die häufigste Fehlreaktion: das Budget zu erhöhen, weil zu wenige Anfragen ankommen. Wenn die Zielseite nicht überzeugt, kauft mehr Budget nur mehr wirkungslose Klicks. Umgekehrt bringt die beste Landingpage nichts, wenn die Anzeige Erwartungen weckt, die sie nicht einlöst. Beide Seiten gehören in dieselbe Auswertung.
Qualitätsfaktor statt Anzeigenposition
Ein Punkt, der in älteren Anleitungen bis heute mitgeschleppt wird: Die durchschnittliche Anzeigenposition gibt es nicht mehr. Google hat die Kennzahl im September 2019 abgeschafft, weil sie nur die Reihenfolge unter den Anzeigen beschrieb, nicht aber, wo auf der Seite diese Anzeigen standen. Platz eins unterhalb der organischen Ergebnisse und Platz eins ganz oben waren dieselbe Zahl.
An ihre Stelle sind zwei Anteilswerte getreten, die tatsächlich etwas aussagen: der Anteil der Impressionen oberhalb der organischen Ergebnisse und der Anteil ganz oben, also auf dem ersten Platz überhaupt. Wer heute über Sichtbarkeit in Google Ads spricht, meint diese beiden Werte.
Daneben steht der Qualitätsfaktor, den Google auf einer Skala von 1 bis 10 je Keyword angibt. Er setzt sich aus erwarteter Klickrate, Anzeigenrelevanz und Nutzererfahrung auf der Zielseite zusammen. Ein hoher Wert senkt tendenziell den Klickpreis bei gleicher Sichtbarkeit. Als Diagnosewerkzeug ist er nützlich, als Optimierungsziel nicht: Er ist ein Symptom guter Abstimmung zwischen Keyword, Anzeige und Landingpage, keine eigenständige Stellschraube.
Praktisch heißt das: Keywords mit dauerhaft niedrigem Qualitätsfaktor sind ein Hinweis darauf, dass entweder das Keyword nicht in diese Anzeigengruppe gehört oder die Zielseite ein anderes Thema behandelt. In beiden Fällen hilft kein höheres Gebot, sondern eine Umsortierung.
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Zur Sichtbarkeit gehört außerdem der Anteil verlorener Impressionen. Google weist getrennt aus, wie viel Sichtbarkeit durch ein zu knappes Budget und wie viel durch zu niedrige Gebote oder mangelnde Relevanz verloren geht. Diese Unterscheidung ist praktisch wertvoll: Im ersten Fall ist die Kampagne gedeckelt, im zweiten hat sie ein inhaltliches Problem – und die Reaktionen darauf sind entgegengesetzt.
Zwei Auswertungen, die selten genutzt werden
Wer die Grundlagen im Griff hat, kommt mit zwei weiteren Berichten deutlich weiter.
- 1. Der Suchbegriffsbericht – Er zeigt, mit welchen Formulierungen Menschen tatsächlich gesucht haben – nicht, welche Keywords hinterlegt sind. Dort finden sich sowohl Streuverluste für auszuschließende Begriffe als auch neue, oft günstigere Keywords.
- 2. Das Attributionsmodell – Selten führt der erste Klick direkt zur Anfrage. Wer beim Standardmodell bleibt, schreibt den Erfolg möglicherweise dem falschen Kanal zu. Ein Blick auf alternative Modelle zeigt, welche Kampagnen den Weg überhaupt angestoßen haben.
Beides braucht keinen zusätzlichen Etat, nur Zeit. Der Suchbegriffsbericht lohnt wöchentlich, das Attributionsmodell einmal im Quartal.
Ein dritter Punkt gehört ebenfalls zur Routine, auch wenn er keine eigene Auswertung ist: der Abgleich mit dem, was im Vertrieb ankommt. Eine Kampagne kann dreißig günstige Anfragen liefern, von denen keine einzige zum Auftrag führt, während eine teurere Kampagne fünf Anfragen bringt, aus denen drei Projekte werden. Im Konto sieht die erste besser aus. Diese Rückkopplung lässt sich nicht automatisieren – sie braucht ein kurzes, regelmäßiges Gespräch zwischen Marketing und Vertrieb.
Wichtig ist bei beidem, nicht in Perfektion zu verfallen. Ein wöchentlich gepflegter Suchbegriffsbericht mit fünf ausgeschlossenen Begriffen bringt über ein Jahr mehr als ein einmalig aufgesetztes, aufwendiges Attributionsmodell, das danach niemand mehr ansieht.
So arbeiten wir bei online at media
Am Anfang steht bei uns die Frage, was in Ihrem Fall überhaupt als Erfolg gilt. Bei einem Onlineshop ist das der Deckungsbeitrag, bei einem Dienstleister die qualifizierte Anfrage, bei einem längeren Vertriebsprozess vielleicht der vereinbarte Termin. Ohne diese Festlegung lässt sich keine Kennzahl sinnvoll bewerten – und genau daran scheitern die meisten Auswertungen, nicht an fehlenden Daten.
Danach prüfen wir das Tracking gegen die Realität, räumen Doppelzählungen aus und bauen ein Reporting, das auf wenige Werte begrenzt ist. Die Kampagnenarbeit liegt im Digital Marketing, die strategische Einordnung im Consulting. Wie sich Reichweite und tatsächliche Wirkung sauber trennen lassen, zeigt auch unser Beitrag zu den Social Media KPIs – die Logik ist dieselbe, nur der Kanal ein anderer.
Was wir dabei bewusst vermeiden: monatliche Berichte mit dreißig Kennzahlen, die niemand liest. Fünf Werte, die eine Entscheidung ermöglichen, sind mehr wert als eine vollständige Tabelle. Beispiele aus laufenden Projekten finden Sie in unseren Referenzen, weitere Fachbeiträge im Blog.
Wie oft ausgewertet wird, richtet sich nach der Datenmenge. Bei kleineren Budgets genügt ein monatlicher Blick; wöchentliches Nachjustieren führt dort eher zu Aktionismus als zu Verbesserung. Bei größeren Konten mit täglich neuen Conversions lohnt ein festes wöchentliches Raster: Suchbegriffe prüfen, Ausreißer ansehen, eine Änderung vornehmen – und die nächste Woche abwarten, bevor die übernächste folgt.
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FAQ
Nicht an einer einzelnen Kennzahl. Entscheidend ist das Zusammenspiel: Die Klickrate zeigt, ob die Anzeige zur Suchanfrage passt, die Conversion-Rate, ob die Zielseite hält, was die Anzeige verspricht, und die Kosten je Conversion beziehungsweise der ROAS, ob sich das wirtschaftlich trägt. Ohne funktionierendes Conversion Tracking lässt sich keine dieser Fragen beantworten.
Der ROAS (Return on Ad Spend) ist der erzielte Umsatz geteilt durch die Werbekosten. Ein ROAS von 4 bedeutet vier Euro Umsatz je eingesetztem Euro Werbebudget. Wichtig: Der ROAS sagt nichts über die Marge. Ein hoher Wert bei geringem Deckungsbeitrag kann trotzdem ein Verlustgeschäft sein – deshalb gehört er immer neben die eigenen Kostenstrukturen gelegt.
Nein. Google hat die Kennzahl im September 2019 abgeschafft. Sie beschrieb nur die Reihenfolge unter den Anzeigen, nicht deren Platzierung auf der Seite. An ihre Stelle sind zwei Anteilswerte getreten: der Anteil der Impressionen oberhalb der organischen Ergebnisse und der Anteil ganz oben. Diese beiden Werte zeigen tatsächlich, wie prominent eine Anzeige ausgespielt wird.
Der Qualitätsfaktor bewertet je Keyword auf einer Skala von 1 bis 10 die erwartete Klickrate, die Anzeigenrelevanz und die Nutzererfahrung auf der Zielseite. Ein hoher Wert senkt tendenziell den Klickpreis bei gleicher Sichtbarkeit. Er lässt sich allerdings nicht direkt optimieren – er ist das Ergebnis einer guten Abstimmung zwischen Keyword, Anzeigentext und Landingpage.